Crowdsourcing – why the power of the crowd is driving the future of business

Wie in meinem letzten Beitrag erwähnt, wollte ich euch heute Interessantes aus dem Buch von Jeff Howe „Crowdsourcing – why the power of the crowd is driving the future of business“ (2009) vorstellen.
Anfangen werde ich dabei mit allgemeinen Fakten zum Thema Crowdsourcing und den 10 Regeln des Crowdsourcing. Dann werde ich euch noch einiges Wissenswertes über die Plattform iStockphoto erzählen, welche als eine der ersten Crowdcreation-Plattformen zählt.

Im Juni 2006 hat Jeff Howe einen Artikel in dem Wired Magazin veröffentlicht. In diesem Artikel benannte er das neue Phänomen der online mitarbeitenden Masse als Crowdsourcing und prägte damit maßgeblich diesen Begriff. In seinem Buch definiert er die Masse an Menschen nicht als ‚alle Menschen, die auf der Welt leben‘, sondern sagt, dass es sich lediglich um die Personen handelt, denen das Internet zur Verfügung steht. Und das sind ca. eine Milliarde Menschen, weshalb Howe die Crowd auch gerne als „the Billion“ bezeichnet.
Außerdem betont er, dass die grundlegende organisatorische Kraft hinter dem Crowdsourcing die Community ist.
Wenn man 100 Menschen eine Kamera in die Hand geben würde, dann erhielte man 99 verschwommene Schnappschüsse und ein unverwischtes bzw. verkäufliches Bild. Damit liegt ein wesentlicher Teil des Crowdsourcing dadrin, bei diesen (kreativen) Arbeiten die brillanten von den banalen Werken zu trennen.
Da viele User Crowdsourcing-Plattformen häufiger nutzen und sich gegenseitig unterstützen und beratschlagen, ist es kein Wunder, dass diese ihre Fähigkeiten verbessern. Die Menschen lieben es zu lernen und zu lehren.
Howe betont in seinem Werk jedoch auch, dass der richtige Umgang mit Crowdsourcing nicht so einfach ist, wie man denkt. Eine Community aufzubauen ist schwierig und diese zu pflegen ist noch härter. (Howe 2009)

Im letzten Kapitel seinen Buches gibt Howe eine Empfehlung für das erfolgreiche Betreiben von Crowdsourcing in dem er 10 Regeln dafür aufstellt (vgl. Howe 2009, S. 278 ff.). Er sagt, dieses seien zwar nicht umfassend oder feuerfest, doch sie ermöglichen eine erste Orientierung in diesem Gebiet:

  1. Pick the Right Model
    – genaue Zieldefinition der Plattform notwendig
    – 4 Kategorien des Crowdsourcing:

      1. Collective intelligence or crowd wisdom
      2. Crowdcreation
        • die Crowd besitzt viel kreative Energie
        • Unternehmen haben erfolgreich das Filmen für TV Werbung, Sprachen übersetzen, und die Neugestaltung von Audio Bestandteilen ausgelagert
      3. Crowd Voting
      4. Crowdfunding
  2. Pick the Right Crowd
    – optimale Größe für Crowdsourcingprojekte liegt bei ca. 5.000 Usern
    – wichtig: es müssen auch die richtigen Personen sein (bspw. sind viele Wissenschaftler weniger kreativ)
  3. Offer the Right Incentives
    – es ist einfacher die Aufmerksamkeit der Crowd zu erlangen, als diese zu halten
    – wenn man Leute involviert, dann versteht man was sie motiviert mitzumachen
    – Bsp: persönlicher Ruhm, die Chance mit gleichgesinnten Kollegen zu interagieren, und die Möglichkeit seine Fähigkeiten zu verbessern oder einfach nur etwas neues zu lernen
  4. Keep the Pink Slips in the Drawer
    – die Crowd sollte auch an den Auswahlprozessen der Gewinner beteiligt werden
  5. The Dumbness of Crowds, or the Benevolent Dictator Principle
    – die Menschen mögen es, wenn sie sich selbst organisieren müssen, wenn es dabei um ihre Interessen und Fähigkeiten geht, aber sie benötigen eine Richtung und Führung und jemand der ihre Fragen beantwortet
    – „Communities need community leaders“
  6. Keep it Simple and Break it Down
    – in die kleinstmöglichen Komponenten unterteilen
    – die Zerlegung ist nötig, da die Crowd nicht blöd, sondern beschäftigt ist
  7. Remember Sturgeon’s Law
    – wegen der möglichen Anzahl der Zuschauer, kann die Antwort auf einen Aufruf überwältigend sein
    – Sturgeon‘ s Law besagt, dass 90% von allem Mist ist
  8. Remeber the 10 Percent, the Antidote to Sturgeon’s Law
    – beim Crowdsourcing muss man bedenken, dass hier ein Ort geschaffen wird, für Freizeitaktivitäten, für die die Menschen (meistens) keine Begabung haben
  9. The Community’s Always Right
    – „You can try to guide the community, but ultimately you’ll wind up following them.“
  10. Ask Not what the Crowd Can Do for You, but What You Can Do for the Crowd
    – Crowdsourcing funktioniert am besten, wenn man als Einzelperson oder Unternehmen der Crowd gibt, was sie haben will

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iStockphoto

Diese Plattform wurde in dem Buch von Howe oft beispielhaft herangezogen, da sie als eine der ersten dieser Art gilt.
Gegründet wurde sie im Jahre 2000 von Bruce Livingstone, der sie anfänglich nutzte, um Fotografien mit befreundeten Fotografen zu tauschen. Doch schon nach kurzer Zeit entstand damit eine Community für größtenteils Hobby-Fotografen. 2009 befanden sich bereits ca. 50.000 Nutzer auf dieser Seite.
Das Unternehmen hat damals den Vorteil genutzt, dass ein Ungleichgewicht in der digitalen Wirtschaft entstanden ist: überzeugende, hochauflösende Bilder waren allgegenwärtig, und dennoch behandelten professionelle Bildagenturen sie wie eine knappe Ressource – „iStock crowdsourced their product, undercut their competitors, and made a killing in the process.“

Der Sinn hinter dieser Website ist ganz einfach, man macht ein gutes Bild, kann dieses dort hochladen und bekommt Geld, wenn andere User dieses Foto herunterladen. Nachdem die User ein Bild gedownloaded haben, können sie es für private wie geschäftliche Zwecke nutzen. Kaufen kann man dort ein Foto über „Credits“, die man sich vorher kaufen muss oder eben erhält, wenn man selbst ein Bild hochgeladen hat, welches von anderen Usern gekauft wurde.
Der niedrigste Preis liegt dabei in den USA bei 1 Dime (10 Cent) und laut der Facebookseite von iStock (2013) in Deutschland bei 1€. Ein Teil des Geldes geht dann an den Fotografen und der andere Teil an das Unternehmen iStockphoto.
Doch der Grundgedanke bei iStock ist nicht, ihre Nutzer reich zu machen, sondern sie wollen eine Plattform schaffen, auf der man Freunde findet und ein besserer Fotograf werden kann.
Zusätzlich zum Up-/Download von Bildern kann jeder User die Werke der anderen Nutzer bewerten. Somit entsteht eine Liste der besten Bilder und die Anzahl der Downloads zeigt auch den geschäftlichen Erfolg der Bilder an.
iStock ist damit nicht nur in der Lage die Konkurrenz um 99 % zu unterbieten. Sie pflegen außerdem eine große, aktive und enthusiastische Community von Künstlern, die selbst-erneuernd/erhaltend ist und sich kontinuierlich verbessert, und iStock mit besseren und besseren Produkten beliefern, die keinerlei Kosten für das Unternehmen verursachen.
Die User der Plattform nennen sich selbst iStockers.
Neben Bildern kann man derzeit auch schon Videos und Audiodateien einstellen oder auch bis zu 40 Stunden die Woche für iStock arbeiten und dabei kontrollieren, ob Qualitätsstandards eingehalten und keine Urheberrechte verletzt wurden.
Garth Johnson von iStockphoto zeigt in dem Buch von Howe ganz deutlich auf, wie machtvoll die Crowd ist: “We don’t own anything, the community does” – “Everything we do affects the people, whether they’re just earning enough to pay their equipment, or they’re making mortgage payments from their photo sales. They all want  a voice, and we have to give it to them, because really, the community is the company.” (vgl. Howe 2009, S.188)
Über soziale Netzwerke,wie Twitter und Facebook macht iStock auf gelungene Bilder oder neue gratis Datein und ähnliches aufmerksam. Somit nutzen sie neben ihrer eigenen Community auch andere Plattformen, um ihre Nutzer auf dem Laufenden zu halten und sie zurück auf ihre Seite zu locken.
iStockphoto und auch die Plattform Threadshirt werden von Howe als Teil des ersten Welle einer geschäftlichen und kulturellen Revolution bezeichnet, welche veränderte, wie wir über das Internet, Handel und am wichtigsten uns selbst denken.

Und damit ihr mal ein Eindruck bekommt hier mal ein Screenshot* von der Seite iStockphoto.com, wenn man als Suchbegriff ‚Christmas‘ und ‚Santa Claus‘ eingibt.

screenshot iStock

(Quelle: istockphoto 2013, Stock Search Results. http://www.istockphoto.com/search/text/christmas/filetype/photos/source/basic#1920e20a, abgerufen am 01.12.2013)

Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit.
Bis zum nächsten Mal. 🙂

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Quelle:

Howe, Jeff (2009). Crowdsourcing – why the power of the crowd is driving the future of business. New York: Three Rivers Press

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*Screenshot – Dass ich diese mit einbauen kann, um meinen Beitrag anschaulicher zu gestalten, habe ich in den vergangenen Tagen auf dem Blog von Christian Schmidt gelernt, welcher sich auf die Seite der Rechtsanwaltskanzlei Schwenke bezieht.

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12 Kommentare

  1. Hallo Tanja,
    danke für deinen interessanten Überblick über die Gedanken von Jeff Howe. Besonders interessant fand ich die 10 Regeln. Ich denke Initiatoren von Crowdsourcing- Projekten müssen sich derer bewusst sein. Besonders darüber das der Großteil der Ideen & Vorschläge nicht realisierbar und hilfreich sind (Surgeon´s Law) und vorallem das die Crowd die Richtung bestimmt.
    Die Webseite istockphoto war mir bisher nicht bekannt. Teilst du die Meinung von Howe, dass diese Idee einen Teil einer geschäftlichen und kulturellen Revolution darstellt?

    Antwort
    • Hallo Elisa,
      Ich finde die Regeln auch super interessant und habe mich auch über Surgeon’s Law gewundert. Das war mir vorher auch nicht so bewusst.
      Und zu deiner Frage: Ja, ich teile die Meinung. Ich denke, diese Entwicklung hat den Markt von Stock-Fotografie wirklich stark verändert. Dadurch dass im Prinzip jeder ein qualitativ hochwertiges Bild dort hochladen kann, steigt der Konkurrenzdruck für professionelle Fotografen. Es ist natürlich schön, wenn auch ein guter Hobby-Fotograf so seine Bilder „verkaufen“ kann, jedoch sollte man es im Hinterkopf behalten, dass es auch Fotografen gibt, die damit ihren Lebensunterhalt verdienen wollen und denen das durch eine solche Plattform natürlich erschwert wird.

      Antwort
  2. Ein sehr interessanter Beitrag. Besonders interessant finde ich den Gedanken, dass die Plattform istockphoto einen Teil des Geldes einnimmt, das für die Fotos der User bezahlt wird. Weißt du eventuell, was damit getan wird? Wird es für die Plattform ausgegeben? Oder macht das Unternehmen dadurch Profit? 🙂

    Antwort
    • Ich bin mir nicht sicher, ob ich deine Frage „Wird es für die Plattform ausgegeben?“ richtig interpretiere, aber hier mal meine Antwort:
      Der Teil des Geldes, welcher an iStockphoto geht, stellt den Umsatz für das Unternehmen da. Aber sicherlich sind auch diese Einnahmen dafür eingesetzt worden, dass die Features der Seite ausgebaut (Upload von Video-/Audiodateien) wurden.

      Antwort
  3. Vor allem die 10 Punkte von Howe sind sehr interessant. Und es wird dir bestimmt auch bei deiner finalen Beurteilung helfen, bei der du ja Tipps geben bzw. Kriterien für eine gute Plattform geben wolltest?
    Denkst du, dass die Nutzer der Plattform in Deutschland dafür „bereit sind“ einen Euro für Stockphotos auszugeben? Ich meine, es gibt ja genug andere Portale, bei denen man kostenlos Stockphotos herunterladen kann. Gibt es konkrete Nutzer-Zahlen o.ä. aus Deutschland?

    Antwort
    • Ja genau, die waren wirklich sehr hilfreich. Wenn du auf meine Unterseite ‚Ergebnisse‘ schaust, dann wirst du dort auch schon einige Punkte finden, die ich den 10 Regeln von Howe entnommen habe.
      Ich denke schon, dass auch deutsche Nutzer bereit sind einen Euro oder mehr für ein gutes Bild auszugeben. Besonders Grafiker profitieren von dieser Seite. Wenn die Nutzer das Bild gekauft haben, dann können sie es ja auch weiter verwenden. Somit ist die Verwendung eben auch rechtlich abgesichert.
      Nutzerzahlen habe ich leider auch vergeblich gesucht. Da hält iStockphoto ziemlich gut dicht. Schade eigentlich. Aber ich glaube ein Umsatz von 200 Millionen Dollar (2009) spricht für sich und zeigt, wie erfolgreich diese Seite mit dem Konzept arbeitet 😉

      Antwort
      • Da hast du wohl recht 😉
        Dennoch hätte es mich interessiert wie es sich so am deutschen Markt verhält, denn es ist ja schon ein Unterschied zwischen einem Dime und einem Euro :O Naja, schade, dass so etwas nicht eingesehen werden kann.
        Und ja, die Seite werde ich mir bei Gelegenheit mal anschauen 🙂

      • Das ist ja verrückt. Bei dem Umsatz sollte sich istockphoto mit seinen Nutzerzahlen doch kaum verstecken müssen, oder? Warum wird das denn wohl nicht preisgegeben?
        (Ich hab auch gleich mal losgegoogelt weil mich das jetzt doch interessiert hat und auch nichts gefunden. Dafür aber eine kanadische Künstlerin (Lise Gagné), die durch istockphoto schon beinahe eine Millionen Dollar verdient hat!)

      • Wie schön, dass du meine Ergebnisse prüfst 😉
        Ich verstehe leider auch nicht, warum man keine Nutzerzahlen zu dieser Seite findet. Ich denke auch, dass es interessant wäre zu sehen, wie viele Nutzer Bilder up- bzw. downloaden.
        Na dann ist diese Lise Gagné bestimmt eine klasse Fotografin oder Grafikerin 😉

  1. Abschließende Bewertung der drei vorgestellten Plattformen Threadless, Spreadshirt & Qwertee | Crowdcreation
  2. Abschlussbetrachtung Teil 1 – eine Übersicht der aufgezeigten Beispiele | Crowdcreation
  3. Abschlussbetrachtung Teil 2 – Fazit | Crowdcreation

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