Ein weiteres Beispiel: Tchibo-ideas.de

Hallo zurück.
Wie versprochen werde ich euch heute eine weitere Crowdcreation-Plattform vorstellen. Und zwar geht es dabei um die deutsche Seite tchibo-ideas.de.

In dem Buch Dezentrales Marketing und Crowdsourcing von Hans-Jürgen Borchardt (2012) findet man folgende Informationen über diese Plattform:
Bei Tchibo ideas werden Open Innovators* aller Art gesucht, denn es gibt keinerlei Vorgaben. Jeder registrierte Teilnehmer kann Vorschläge, Ideen und eigene Entwürfe einbringen und auch die der anderen Community-Mitglieder kommentieren und bewerten.
Tchibo ideas selbst gibt an, dass sie eine Plattform für innovative Köpfe seien, die neuen Produktideen gemeinsam mit der Community entwickeln und vorantreiben wollen. Es geht darum, dass Alltagsprobleme gelöst werden sollen und diese kennt die Crowd am besten. Somit kann jeder mitmachen, mitreden und mitbestimmen. Getreu dem Motto:“Gemeinsam gedacht, besser gemacht!“ (Borchardt, 2012, S.99).
–> Der aktuelle Slogan der Seite ist allerdings: „Mitmachen. Mitreden. Mitgestalten.“ (tchibo ideas, 2013)
Tchibo ideas unterscheidet sich jedoch mit ihrer Open Innovation Plattform von allen anderen „Ideen-Plattformen“, da sie die Ideenfindung nicht nur die eigene Produktpalette beschränkt und jedes Mitglied Erfinder, Weiterentwickler und auch Jury-Mitglied sein kann. Hier werden die Entwürfe öffentlich vorgestellt und in der Community diskutiert.
Die Nutzerzahlen dieser Seite beliefen sich im Februar 2012 auf ca. 10.300 und bis dahin wurden ca. 1.200 Aufgaben behandelt, ca. 700 Lösungen erarbeitet, ca. 8.500 Kommentare getätigt, ca. 180 Sieger gekürt und 19 Produkt produziert (Borchardt, 2012, S.120).

UND JETZT DER RELAUNCH . . .

Screenshot Tchibo ideas(Bildquelle: Startseite von Tchibo ideas | tchibo-ideas.de | aufgerufen am 24.12.2013)

Im Herbst diesen Jahres hat die Seite auch einen grafischen Relaunch durchlebt und zusätzlich Features (Newsletter) und Aktionen (Workshops und Produkttests) hinzugefügt. Dabei haben die Macher der Seite auch ihr Konzept ein wenig verändert.

Der positive Aspekt, der auch von Borchardt angesprochen wurde, dass die Nutzer nicht nur Produktideen einreichen können, sonder auch an dem Entwicklungsprozess der Ideen mit beteiligt sind, fällt seit dem 7. Oktober 2013 weg. Die Ideen der User werden nicht mehr auf der Plattform veröffentlicht, somit kann auch keine öffentliche Diskussion mehr stattfinden. Der Austausch soll zukünftig im Rahmen der neu geplanten Aktionen wie Workshops, Produkttests, Umfragen und Votings sowie in direktem Dialog mit Tchibo ideas selbst stattfinden. Die Macher hinter der Plattform sind dennoch optimistisch, dass auch diese konzeptionelle Veränderung bei der Community Anklang findet.
Genaueres dazu könnt ihr in dem Interview mit Dr. Wolfgang Merkle, Director Consumer & Brand, erfahren oder auch auf der Unterseite ‚http://www.tchibo-ideas.de/das-konzept/‚.

Der Ablauf der Ideeneinreichung ist hier einmal kurz ähnlich wie auch auf der Website (tchibo ideas, 2013) skizziert:

  1. Designidee einreichen –> User
  2. Designidee prüfen –> Tchibo
  3. Lizenzvertrag abschließen –> User und Tchibo
  4. Produktion und Vermarktung –> Tchibo

Eine aktuell laufende Aktion von tchibo ideas ist das Tchibo ‚Mein privater Kaffee‘ Weihnachtsvoting. Hierbei konnten die User abstimmen, welcher Kaffeegeschmack und welches Weihnachtsetikett sie favorisieren. Das Ergebnis dieser Abstimmung liegt mittlerweile vor und man kann sich aber immer noch seinen eigenen Kaffee zusammenmischen, die Verpackung auswählen und diesen auch noch mit persönlichen Worten versehen. Laut Tchibo ideas (2013) ein ideales Weihnachtsgeschenk.
Bis heute (24.12.2013) wurden bereits 23 Produkte erfolgreich umgesetzt, davon sind derzeit noch 5 Artikel bestellbar.

Über Erfolgsfaktoren möchte ich mich derzeit bezüglich dieser Seite noch nicht äußern, da sie mit dem neuen Konzept erst seit ca. 3 Monaten online ist und somit erstmal abzuwarten ist, ob diese Veränderung bei der Crowd gut ankommt oder sie die Erneuerung eher ablehnen.

Weitere Informationen rund um Tchibo ideas findet ihr auf der Seite tchibo-ideas.de selbst oder auch auf dem Blog von meiner Kommilitonin Tanja Mantel.

Vielen Dank für’s Lesen.
Frohe Weihnachten euch allen.

_________________________
* Open Innovation meint die Öffnung von Innovationsprozessen für andere Stakeholder – i.d.R. den Kunde (Quelle: http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/open-innovation.html; abgerufen am 23.12.2013)

Borchardt, H.-J. (2012)  Dezentrales Marketing und Crowdsourcing. Erlangen:Publicis Publishing
tchibo ideas, (2013) http://www.tchibo-ideas.de/ (abgerufen am 24.12.2013)

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9 Kommentare

  1. ricardabohn

     /  Dezember 27, 2013

    Eine gelungene Vorstellung der Plattform Tchibo ideas 🙂 Mir war nicht bewusst, dass der Relaunch neben optischen Neuerungen auch so viele Veränderungen für die Community mit sich bringt. Der eigentliche Sinn von Crowdcreation ist doch, dass die Community über Entwürfe und Designs diskutiert, so wie in der Vorgänger-Version der Plattform. Im neuen Konzept möchte Tchibo laut Dr. Merkle „näher an unsere Kunden heranrücken“. Findest du es sinnvoll diesen Vorsatz durch die Aktionen wie Workshops, Produkttest, Voting und Umfragen umzusetzen? Oder findet an dieser Stelle eher eine Einschränkung der Kreativität der Community durch die vorgegebenen Kanäle statt?

    Antwort
    • Ich finde es zwar sinnvoll die Crowdcreation-Aktivitäten auch über offline Kanäle durchzuführen, da es eine seltene Art von Crowdcreation ist, jedoch glaube ich, dass es auch dazu führt, dass viele gute Ideen verloren gehen. Bei den Veranstaltungen können ja nur eine begrenzte Anzahl an Personen Ideen einbringen und diese zusammen weiterentwickeln. Im Internet ist die Anzahl der Beteiligten jedoch nicht begrenzt und dort ist die Teilnahme auch mit weniger Aufwand verbunden (keine Anfahrt, etc.).
      Außerdem sagen ja auch die 10 Gesetze aus dem Jeff Howe Buch, dass es wichtig ist, die Entscheidungsgewalt bei der Crowd zu lassen. Diese Regel wird mit dem neuen Konzept von Tchibo leider nicht mehr beachtet. So kommen auch keine Ideen mehr an die Öffentlichkeit und Tchibo veröffentlicht das Produkt erst, wenn sie die gute Idee bereits umgesetzt haben. So gehen ihnen natürlich keine Ideen mehr an mögliche Konkurrenten verloren. Ich bin mir nicht sicher, ob das Konzept aufgeht, bin aber gespannt, ob es vielleicht doch gut bei den Nutzern ankommt. Ich werde die Seite weiter beobachten 😉

      Antwort
      • ricardabohn

         /  Dezember 28, 2013

        Bisher habe ich den Punkt Konkurrenz bei online Crowdcreation noch gar nicht bedacht. Gut, dass du das ansprichst, weil das ist ja wirklich ein wesentlicher Aspekt. Gibt es bekannte Fälle, bei denen Ideen oder Design „geklaut“ wurden? Ich denke auch, dass durch die offline Maßnahmen und dem damit verbundenen Mehraufwand viele Idden verloren gehen. Mal sehen, ob du im Verlauf deiner Blogging-Aktivität noch erste Bilanzen zum neuen Konzept in Erfahrung bringen kannst. Auf jeden Fall ein spannendes Thema 🙂

  2. Ich persönlich empfinde die Erneuerung des Ideenprozesses bei Tchibo eher kritisch. Der Ideenentwicklungsprozess wird undurchsichtiger und scheint mir komplexer geworden zu sein. Der Aspekt der Konkurrenz ist zwar natürlich ein verständlicher Faktor, aber dennoch vermindert die Erneuerung die Komunikation in der Community. Ich bin sehr gespannt, wie genau die Community das annimmt, kann mir aber vorstellen, dass Ihnen die Interaktion fehlen wird. 🙂 Ein sehr interessanter Beitrag, Tanja! Solltest du Informationen bezüglich der Annahme der Änderungen durch die Community finden, fände ich es sehr interessant mehr davon zu lesen. 😉

    Antwort
  3. Hallo Tanja 🙂
    Ich finde es super, dass auch du Tchibo-ideas als Crowdcreation Beispiel anbringst. Ich beschäftige mich nun ja schon seit einigen Wochen mit der Plattform und dem Thema Crowdcreation speziell auf Tchibo ideas bezogen.
    Und ich kann auch die kritische Haltung gegenüber dem Plattform-Relaunch verstehen.
    Auch ich finde, dass das alte Konzept Crowdcreation im klassischeren Sinne war!
    Ich denke, Tchibo ideas hat vor allem einen Relaunch der Plattform durchgeführt, um mehr „Kontrolle“ zu haben und einen besseren Überblick über die Einstellungen, Meinungen und Ideen zu behalten.
    Ich kann auch deinen Einwand nachvollziehen Ina, dass den Community Mitgliedern vllt. die Interaktion fehlen wird. Seit einiger Zeit bin ich selbst bei Tchibo ideas angemeldet, um auszuprobieren und selbst Teil der Community zu sein. Mir ist bis jetzt noch nicht aufgefallen, dass weniger Austausch stattfindet, aber vllt. wird sich das in den kommenden Monaten noch ändern, lange gibt es das neue Konzept ja noch nicht 🙂 Vielleicht sollte man auch bedenken, dass es sicher Designer gibt, die ihre Vorschläge und Ideen gar nicht von anderen Usern bewerten lassen wollen und froh sind, wenn nur das Tchibo ideas Team über das Design entscheidet. Vielleicht möchten sich manche gar nicht der Kritik und dem Feedback Anderer stellen und werden vom offenen Austausch eher „abgeschreckt“.. das könnte in meinen Augen zumindest ein Indiz dafür sein, dass der Austausch auf Tchibo ideas genauso bzw. noch stärker stattfindet als vor dem Relaunch.
    Auf jeden Fall eine gute Zusammenfassung über Tchibo-ideas Tanja! 🙂
    Und wer speziell mehr über Tchibo ideas lesen will, kann wie Tanja schon gesagt hat, gerne in meinem Blog nachlesen (http://tmantel.wordpress.com/)

    Antwort
    • Hallo Tanja.
      Danke für deine Anmerkungen. Ich finde es interessant, dass du bisher nicht das Gefühl hast, dass der Austausch auf der Plattform geringer geworden ist.
      Deine Aussage, dass es möglicherweise auch Personen gibt, die weniger daran interessiert sind ihre Ideen öffentlich zu besprechen finde ich beachtenswert. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass es solche Community-Mitglieder gibt. Dennoch finde ich, dass dann der Sinn von CROWDsourcing ein wenig verloren geht. Klar kommen dann die Ideen nach wie vor aus der Crowd, doch die gemeinsame Ideengestaltung/-verbesserung fehlt.
      Da du sagst, dass in der Community dennoch Austausch herrscht, würde mich nun interessieren über was die User sich dort dann genau unterhalten? Ein Bezug auf konkrete Entwürfe ist ja nicht möglich.

      Antwort
  4. Ich habe durch das Lesen dieses Beitrages das erste Mal von tchibo-ideas erfahren. Die ursprüngliche Idee finde ich toll und nun bin ich etwas enttäuscht das sie nun schon vor einer Entdeckung meinerseit wieder verworfen wurde. Die User-Beteiligung ist an dieser Stelle minimalsiert worden. Ich kann mir natürlich vorstellen, dass Tchibo so eine besser Kontrolle über die Einreichung, Vorschläge etc. hat, jedoch glaube ich, dass dadurch viele positive Aspekte der Idee verloren gehen. Ich bin gespannt wie sich diese Entwicklung auswirkt.

    p.s.
    „Schmuff“ – Die Kombi aus Schal Mütze und Muff….
    Ich konnt mich jetzt nicht entscheiden ob ich lachen – oder ein Bestellformular ausfüllen sollte. Tolle Idee! 🙂

    Antwort
    • Ja, das denke ich auch.
      Und auch ich bin gespannt, wie es mit dieser Plattform weiter geht.
      Derzeit sieht es allerdings so aus, als würde Tchibo Ideas keinen Einbruch in den Crowdaktivitäten verzeichnen.
      Unsere Kommilitonin Tanja Mantel beschäftigt sich sehr intensiv mit dieser Plattform.
      Schau dich sonst einfach auf ihren Blog. Dort findest du noch viel interessantes dazu.
      In meinem Beitrag habe ich ihren Blog auch verlinkt. 🙂

      Antwort
  1. Abschlussbetrachtung Teil 1 – eine Übersicht der aufgezeigten Beispiele | Crowdcreation

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