Um ein wenig Abwechslung reinzubringen …

Hallo zurück.

Bevor ich mich wieder mit einem Beispiel für Crowdcreation beschäftige, wollte ich auch mal wieder interessante Lektüre auf diesem Blog vorstellen.
Da ich bei meinen Analysen auch auf den wichtigen Punkt „Markenimage“ gestoßen bin, habe ich beschlossen, mich einmal genauer mit dieser Thematik auseinander zu setzten.
Mein Gedankengang für diesen Beitrag zeigen die nachfolgenden Fragen einmal auf …
Wie wichtig ist denn eigentlich nun die Marke des Initiators für Crowdcreation-/Crowdsourcing-Projekte? Zieht ein positives Image wirklich mehr Teilnehmer an? Und wie sollte man seine Marke im Internet bzw. auf der eigenen Website und auf Social Media-Kanälen präsentieren, um zu einem (digitalen) positiven Ansehen zu gelangen? Marken im Web 2.0

Um Antworten auf diese Fragen finden zu können, habe ich mir das Buch „Marken im Web 2.0“ von Scherer et al. (2012) angeschaut (siehe Bild auf der rechten Seiten; Bildquelle: eigene Darstellung).

Die interessantesten Punkte bezüglich der digitalen Marken-Kommunikation möchte ich hier einmal festhalten. Da in meinen Fallbeispielen Facebook von alle Crowdcreation-Plattformen/-Kampagnen bedient wurde, werde ich besonders auf die Ergebnisse bezüglich dieser Social Networking Site aus dem Buch eingehen.

In dem ersten Kapitel „Markenkommunikation 2.0“ (vgl. Schlütz et al. 2012) gehen die Autoren in ihrem Fazit auf Chancen und Risiken für Markenkommunikation in Online-Gemeinschaften ein. Sie betonen dabei, dass es zunehmend wichtiger wird Online-Gemeinschaften in moderne Markenkommunikation mit einzubeziehen. Die Gründe dafür liegen auf der Hand.

  1. Die junge Zielgruppe nutzt Kommunikationsplattformen intensiv und verbringen viel Zeit auf diesen.
  2. Ein Vorteil der Kommunikation innerhalb von Online-Gemeinschaften ist, dass die Unternehmen Wissen über ihre Zielgruppe sammeln können und somit ihre eigenen Kommunikationsinhalte darauf aufbauend anpassen können.Zusätzlich können sie die Markenkommunikation dort mit anderen markenbezogenen Transaktionen verknüpfen (Apps und ähnliches).
  3. Kommunikation über eine Marke findet in Online-Gemeinschaften ohnehin statt. Wenn die zugehörigen Unternehmen ein wenig Einfluss darauf haben wollen, sollten sie sich aktiv beteiligen.

Außerdem geben Schlütz et al. an, dass erfolgreiche Markenkommunikation nur dann stattfinden kann, wenn man die Interessen der anderen relevanten Akteure (Betreiber und Nutzer) berücksichtigt und bedient (vgl. 2012, S.54).
Um die Beziehungen und Abhängigkeiten der drei Akteure bei der Markenkommunikation einmal zu verdeutlichen, haben die Autoren ein Modell entwickelt (siehe folgende Abbildung). 
Kräftefeld (U;B;M)(Bildquelle: Schlütz 2012; S.55)
In ihren Erläuterungen zu dem Modell des ‚Kärftefelds zwischen Marke, User und Betreiber‘ heben sie besonders die Rolle des Users hervor. Dieser wird als das Machtzentrum des Modells betitelt, da der Nutzer autonom entscheidet, ob und in welchem Umfang er sich einer Online-Gemeinschaft zuwendet. Die Abhängigkeit der zwei anderer Akteure von dem User, stellt die größte Abhängigkeit in dem Modell dar.

In dem darauffolgenden Kapitel befassen sich Förth und Trommerhausen (2012) mit dem Nutzen, der für die einzelnen Akteure von einer solchen Plattform ausgeht. Als Untersuchungsobjekt diente ihnen Facebook.
Da mein Blog sich mit Erfolgsfaktoren für Crowdcreation-Kampagnen/-Plattformen beschäftigt, ist hier in erster Linie der Nutzen für die Marken(-Unternehmen) von Bedeutung.
In Online-Netzwerkgemeinschaften, wie Facebook, haben Marken die Möglichkeit über eigene Profile aufzutreten und sie bieten dem Nutzer Instrumente um mit der Marke zu interagieren. Somit besteht auf beiden Seiten die Chance, von dem anderen wahrgenommen zu werden (vgl. Förth & Trommerhausen, 2012, S.61).
Weiter geben die Autoren an, dass der Erfolg eines Markenunternehmens heutzutage stark von der Marke-Kunden-Beziehung abhängt, welche sich auf Erfahrungen mit der Marke stützt. Und um diese Beziehung zu verbessern, ist es nützlich, das markenbezogene Handeln der User auf Facebook zu betrachten.
Die Untersuchung von Förth und Trommerhausen, welche sich auf die Theorie des Uses and Gratifications-Ansatzes stützt, fragt nach dem Profit der drei Akteure, bei Userzuwendung zu Markenseiten/-gruppen/-applikationen. Diese Studie hat allerdings ergeben, dass Facebook größtenteils genutzt wird, um sich selbst darzustellen und mit Personen in Kontakt zu treten/bleiben. Alle Items, die bezüglich Markenkommunikation abgefragt wurden, bildeten das Schlusslicht bei den gesuchten/erhaltenen Gratifikationen. Die Autoren mutmaßen, dass das „schlechte Abschneiden“ dieser Items auf die Ausgestaltung der (Marken-)Angebote oder drauf zurück zuführen sei, dass User keine markenbezogenen Gratifikationen innerhalb einer Online-Netzwerkgemeinschaft erwarten.

Weiter geben sie aber an, dass eine Voraussetzung für die Zuwendung zu Marken-Angeboten (auf Facebook) die Markenzufriedenheit sei. Diese kann wiederum auch durch positive Erfahrungen mit der Marke über die Plattform gesteigert werden (vgl. ebd., S.95). Dabei können schwächere Marken, bei denen die User noch nicht im höchsten Maße zufrieden sind, stärker von der Zuwendung von Online-Netzwerkgemeinschaften profitieren. In diesem Fall hat nämlich die Beschäftigung mit der Marke einen positiven Effekt auf die Kundenzufriedenheit. Die Autoren raten diesen Unternehmen ihrer Profilseite „Fan-Charakter“ zu verleihen und den Nutzern Assoziationsmöglichkeiten zu beiten (vgl. Trommerhausen et al. 2012, S.199). Wichtig sei auch, die kontinuierliche Pflege des Informationsangebots, da die User auch gerne „mal nur rezipieren“.
Als ein weiterer Vorteil bei dieser Art der Markenkommunikation ist außerdem der Kostenfaktor zu nennen, da diese Kommunikationsart relativ kostengünstig ist.
Bei stärkeren Marken bietet die Zuwendung von Online-Netzwerkgemeinschaften zwar nur geringe Steigerungsmöglichkeiten der Markenzufriedenheit, aber sie ist dennoch nicht überflüssig. In diesem Fall muss die Kommunikation nur mit anderen strategischen Zielen verknüpft werden (bspw. Absatzförderung). Hier seien häufige Updates und exklusiver Content erfolgsversprechend, da sie Anreize für den Besuch der Seite bieten und markenbezogene Gratifikationen stiften (vgl. ebd. S. 104).
In beiden Fällen ist jedoch diese Art der Kundenkommunikation dazu geeignet, um mehr über die eigene Kundengruppe zu lernen und so die Marke weiterzuentwickeln. Wichtig dabei ist, dass die Wünsche des Nutzers über den Wünschen des Unternehmens als Werbetreibender stehen. Wenn man die Bedürfnisse der Nutzer aus dem Auge lässt, geschieht dies zu Lasten der Online-Netzwerkgemeinschaft und kann letztendlich zu negativen Effekten für die Marke führen (vgl. Trommerhausen et al. 2012, S. 199).
Abschließend geben die Autoren an, dass Markenunternehmen mit weniger Reaktanz der Facebook-Fans rechnen können, wenn sie in ihrer Markenkommunikation das betonen, was den wesentlichen Nutzen von Facebook ausmacht – eine Beziehung zwischen den Nutzern (in dem Fall User und Markenunternehmen) herzustellen.

Schlussfolgerung
Welche Erkenntnisse ziehe ich aus diesem Buch?

Diese Auseinandersetzung hat mir schön verdeutlicht, wie wichtig es heutzutage für Unternehmen ist, auf Social-Media-Kanälen präsent zu sein. Für Unternehmen besteht dabei der klare Nutzen also in der Steigerung der Markenzufriedenheit (vgl. Förth & Trommerhausen, 2012, S.101).
In diesem Buch wurde außerdem schön dargestellt, wie wichtig der User bei der digitalen Kommunikation ist. Dass die Nutzer als „Machtzentrum“ betitelt wurden, halte ich für sehr passend. Das ist auch sehr schön auf meinen Fall zu übertragen, da auch jedes Crowdcreation-Projekt stark von der beteiligten Crowd abhängigist. Auch hier sollten die Interessen der relevanten Akteure, in dem Fall der Crowd, immer beachtet werden.
Die Autoren geben an, dass man die Kommunikation der Nutzer untereinander sowie auch mit den Usern nutzen kann, um die eigene Marke zu verbessern. Diese Erkenntnis lässt sich auch auf Crowdsourcing bzw. Crowdcreation (kurz CC) übertragen, denn diese Projekte haben im Grunde auch nur die Absicht, ein Produkt und letztendlich eine Marke zu verbessern, indem sie die Nutzer miteinbeziehen. Nur dass Crowdsourcing eben noch einen Schritt weiter geht und die User unmittelbar (in bspw. Gestaltungsprozess) mit einbezieht und sie nicht nur beobachtet.
Außerdem lassen sich auch durch erfolgreich verlaufende CC-Projekte wieder positive Erfahrungen mit einer Marke/einem Unternehmen sammeln, welches sich auch positiv auf die Marke-Kunden-Beziehung auswirkt und somit wieder vorteilhaft für ein kommendes CC-Projekt oder andere Aktionen ist.
Die Aufteilung der Autoren in starke und schwache Marken halt ich für sehr sinnvoll, da auch ich der Meinung bin, dass es vorteilhaft ist, Kundengruppen unterschiedlich anzusprechen, je nach dem wie stark ihre Markenbindung ist. Allerdings sind mir die Autoren an einigen Stellen nicht konkret genug gewesen, wodurch ich keine genauen Handlungsempfehlung für diese zwei Gruppen benennen konnte.

Abschließend möchte ich noch kurz meine Ausgangsfragen beantworten.

Wie wichtig ist denn eigentlich nun die Marke des Initiators für Crowdcreation-/Crowdsourcing-Projekte?
Ich persönlich glaube, dass die Marke für ein Crowdcreation-Projekt wichtig, aber nicht der entscheidenste Faktor für das Gelingen ist. Zu viele andere Faktoren spielen dabei eine größere oder ebenso große Rolle (siehe dazu meine Ergebnisse bezüglich der Erfolgsfaktoren).

Zieht ein positives Image wirklich mehr Teilnehmer an?
Ich vermute, ja! Wenn ein Unternehmen ein gutes Image besitzt, dann sind vermutlich mehr Personen gewillt, dessen Projekt zu unterstützen. Bei Unternehmen mit schlechtem Image ist die Bereitschaft vermutlich geringer, da auch die Markenzufriedenheit geringer ausfällt, welche laut  Scherer et al. (2012) ausschlaggebend für die Markenzuwendung ist.

Und wie sollte man seine Marke im Internet bzw. auf der eigenen Website und auf Social Media-Kanälen präsentieren, um zu einem (digitalen) positiven Ansehen zu gelangen?
Die Präsentation auf Social Networking Sites sollte immer an die Zielgruppe angepasst werden. Nur dann kann diese auch erfolgreich sein und zu einem positiven/positiveren Image führen. Wie „Marken im Web 2.0“ außerdem schön gezeigt hat, ist es dabei auch wichtig, die Aktivitäten bzw. Themen der Nutzer zu beobachten und diese in der eigenen Kommunikation aufzugreifen.

So das war’s dann für heute aus der Welt der Marken im Web 2.0.
Mein kommender Beitrag wird wieder von einem Crowdcreation-Beispiel handeln. Dann geht es um die BILLY BOY Hot Spots-Kampagne aus dem Jahr 2011.
Danke für’s Lesen und ein schönes Wochenende wünsch ich 🙂

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Quellen:
Scherer et al. (2012) Marken im Web 2.0. Theoretische Einordnung und empirische Erkenntnisse zur Markenkommunikation im Web 2.0 aus kommunikationswissenschaftlicher Sicht. Köln: Herbert von Halem.
Schlütz et al. (2012) Markenkommunikation 2.0, In Scherer et al (Hrsg.) Marken im Web 2.0. Theoretische Einordnung und empirische Erkenntnisse zur Markenkommunikation im Web 2.0 aus kommunikationswissenschaftlicher Sicht. S. 13-57 Köln: Herbert von Halem.
Förth, B. & Trommerhausen A. (2012). Schöne neue Markenwelt? Eine empirische Untersuchung des Potenzials zur Nutzenstiftung von Marken aus Online-Netzwerk-Gemeinschaften am Beispiel von Facebook. In Scherer et al (Hrsg.) Marken im Web 2.0. Theoretische Einordnung und empirische Erkenntnisse zur Markenkommunikation im Web 2.0 aus kommunikationswissenschaftlicher Sicht. S. 58-105 Köln: Herbert von Halem.
Trommerhausen et al. (2012) Nutzern hoch drei.  In Scherer et al (Hrsg.) Marken im Web 2.0. Theoretische Einordnung und empirische Erkenntnisse zur Markenkommunikation im Web 2.0 aus kommunikationswissenschaftlicher Sicht. S. 198-206 Köln: Herbert von Halem.

Ein weiteres Beispiel: Tchibo-ideas.de

Hallo zurück.
Wie versprochen werde ich euch heute eine weitere Crowdcreation-Plattform vorstellen. Und zwar geht es dabei um die deutsche Seite tchibo-ideas.de.

In dem Buch Dezentrales Marketing und Crowdsourcing von Hans-Jürgen Borchardt (2012) findet man folgende Informationen über diese Plattform:
Bei Tchibo ideas werden Open Innovators* aller Art gesucht, denn es gibt keinerlei Vorgaben. Jeder registrierte Teilnehmer kann Vorschläge, Ideen und eigene Entwürfe einbringen und auch die der anderen Community-Mitglieder kommentieren und bewerten.
Tchibo ideas selbst gibt an, dass sie eine Plattform für innovative Köpfe seien, die neuen Produktideen gemeinsam mit der Community entwickeln und vorantreiben wollen. Es geht darum, dass Alltagsprobleme gelöst werden sollen und diese kennt die Crowd am besten. Somit kann jeder mitmachen, mitreden und mitbestimmen. Getreu dem Motto:“Gemeinsam gedacht, besser gemacht!“ (Borchardt, 2012, S.99).
–> Der aktuelle Slogan der Seite ist allerdings: „Mitmachen. Mitreden. Mitgestalten.“ (tchibo ideas, 2013)
Tchibo ideas unterscheidet sich jedoch mit ihrer Open Innovation Plattform von allen anderen „Ideen-Plattformen“, da sie die Ideenfindung nicht nur die eigene Produktpalette beschränkt und jedes Mitglied Erfinder, Weiterentwickler und auch Jury-Mitglied sein kann. Hier werden die Entwürfe öffentlich vorgestellt und in der Community diskutiert.
Die Nutzerzahlen dieser Seite beliefen sich im Februar 2012 auf ca. 10.300 und bis dahin wurden ca. 1.200 Aufgaben behandelt, ca. 700 Lösungen erarbeitet, ca. 8.500 Kommentare getätigt, ca. 180 Sieger gekürt und 19 Produkt produziert (Borchardt, 2012, S.120).

UND JETZT DER RELAUNCH . . .

Screenshot Tchibo ideas(Bildquelle: Startseite von Tchibo ideas | tchibo-ideas.de | aufgerufen am 24.12.2013)

Im Herbst diesen Jahres hat die Seite auch einen grafischen Relaunch durchlebt und zusätzlich Features (Newsletter) und Aktionen (Workshops und Produkttests) hinzugefügt. Dabei haben die Macher der Seite auch ihr Konzept ein wenig verändert.

Der positive Aspekt, der auch von Borchardt angesprochen wurde, dass die Nutzer nicht nur Produktideen einreichen können, sonder auch an dem Entwicklungsprozess der Ideen mit beteiligt sind, fällt seit dem 7. Oktober 2013 weg. Die Ideen der User werden nicht mehr auf der Plattform veröffentlicht, somit kann auch keine öffentliche Diskussion mehr stattfinden. Der Austausch soll zukünftig im Rahmen der neu geplanten Aktionen wie Workshops, Produkttests, Umfragen und Votings sowie in direktem Dialog mit Tchibo ideas selbst stattfinden. Die Macher hinter der Plattform sind dennoch optimistisch, dass auch diese konzeptionelle Veränderung bei der Community Anklang findet.
Genaueres dazu könnt ihr in dem Interview mit Dr. Wolfgang Merkle, Director Consumer & Brand, erfahren oder auch auf der Unterseite ‚http://www.tchibo-ideas.de/das-konzept/‚.

Der Ablauf der Ideeneinreichung ist hier einmal kurz ähnlich wie auch auf der Website (tchibo ideas, 2013) skizziert:

  1. Designidee einreichen –> User
  2. Designidee prüfen –> Tchibo
  3. Lizenzvertrag abschließen –> User und Tchibo
  4. Produktion und Vermarktung –> Tchibo

Eine aktuell laufende Aktion von tchibo ideas ist das Tchibo ‚Mein privater Kaffee‘ Weihnachtsvoting. Hierbei konnten die User abstimmen, welcher Kaffeegeschmack und welches Weihnachtsetikett sie favorisieren. Das Ergebnis dieser Abstimmung liegt mittlerweile vor und man kann sich aber immer noch seinen eigenen Kaffee zusammenmischen, die Verpackung auswählen und diesen auch noch mit persönlichen Worten versehen. Laut Tchibo ideas (2013) ein ideales Weihnachtsgeschenk.
Bis heute (24.12.2013) wurden bereits 23 Produkte erfolgreich umgesetzt, davon sind derzeit noch 5 Artikel bestellbar.

Über Erfolgsfaktoren möchte ich mich derzeit bezüglich dieser Seite noch nicht äußern, da sie mit dem neuen Konzept erst seit ca. 3 Monaten online ist und somit erstmal abzuwarten ist, ob diese Veränderung bei der Crowd gut ankommt oder sie die Erneuerung eher ablehnen.

Weitere Informationen rund um Tchibo ideas findet ihr auf der Seite tchibo-ideas.de selbst oder auch auf dem Blog von meiner Kommilitonin Tanja Mantel.

Vielen Dank für’s Lesen.
Frohe Weihnachten euch allen.

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* Open Innovation meint die Öffnung von Innovationsprozessen für andere Stakeholder – i.d.R. den Kunde (Quelle: http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/open-innovation.html; abgerufen am 23.12.2013)

Borchardt, H.-J. (2012)  Dezentrales Marketing und Crowdsourcing. Erlangen:Publicis Publishing
tchibo ideas, (2013) http://www.tchibo-ideas.de/ (abgerufen am 24.12.2013)

Crowdsourcing – why the power of the crowd is driving the future of business

Wie in meinem letzten Beitrag erwähnt, wollte ich euch heute Interessantes aus dem Buch von Jeff Howe „Crowdsourcing – why the power of the crowd is driving the future of business“ (2009) vorstellen.
Anfangen werde ich dabei mit allgemeinen Fakten zum Thema Crowdsourcing und den 10 Regeln des Crowdsourcing. Dann werde ich euch noch einiges Wissenswertes über die Plattform iStockphoto erzählen, welche als eine der ersten Crowdcreation-Plattformen zählt.

Im Juni 2006 hat Jeff Howe einen Artikel in dem Wired Magazin veröffentlicht. In diesem Artikel benannte er das neue Phänomen der online mitarbeitenden Masse als Crowdsourcing und prägte damit maßgeblich diesen Begriff. In seinem Buch definiert er die Masse an Menschen nicht als ‚alle Menschen, die auf der Welt leben‘, sondern sagt, dass es sich lediglich um die Personen handelt, denen das Internet zur Verfügung steht. Und das sind ca. eine Milliarde Menschen, weshalb Howe die Crowd auch gerne als „the Billion“ bezeichnet.
Außerdem betont er, dass die grundlegende organisatorische Kraft hinter dem Crowdsourcing die Community ist.
Wenn man 100 Menschen eine Kamera in die Hand geben würde, dann erhielte man 99 verschwommene Schnappschüsse und ein unverwischtes bzw. verkäufliches Bild. Damit liegt ein wesentlicher Teil des Crowdsourcing dadrin, bei diesen (kreativen) Arbeiten die brillanten von den banalen Werken zu trennen.
Da viele User Crowdsourcing-Plattformen häufiger nutzen und sich gegenseitig unterstützen und beratschlagen, ist es kein Wunder, dass diese ihre Fähigkeiten verbessern. Die Menschen lieben es zu lernen und zu lehren.
Howe betont in seinem Werk jedoch auch, dass der richtige Umgang mit Crowdsourcing nicht so einfach ist, wie man denkt. Eine Community aufzubauen ist schwierig und diese zu pflegen ist noch härter. (Howe 2009)

Im letzten Kapitel seinen Buches gibt Howe eine Empfehlung für das erfolgreiche Betreiben von Crowdsourcing in dem er 10 Regeln dafür aufstellt (vgl. Howe 2009, S. 278 ff.). Er sagt, dieses seien zwar nicht umfassend oder feuerfest, doch sie ermöglichen eine erste Orientierung in diesem Gebiet:

  1. Pick the Right Model
    – genaue Zieldefinition der Plattform notwendig
    – 4 Kategorien des Crowdsourcing:

      1. Collective intelligence or crowd wisdom
      2. Crowdcreation
        • die Crowd besitzt viel kreative Energie
        • Unternehmen haben erfolgreich das Filmen für TV Werbung, Sprachen übersetzen, und die Neugestaltung von Audio Bestandteilen ausgelagert
      3. Crowd Voting
      4. Crowdfunding
  2. Pick the Right Crowd
    – optimale Größe für Crowdsourcingprojekte liegt bei ca. 5.000 Usern
    – wichtig: es müssen auch die richtigen Personen sein (bspw. sind viele Wissenschaftler weniger kreativ)
  3. Offer the Right Incentives
    – es ist einfacher die Aufmerksamkeit der Crowd zu erlangen, als diese zu halten
    – wenn man Leute involviert, dann versteht man was sie motiviert mitzumachen
    – Bsp: persönlicher Ruhm, die Chance mit gleichgesinnten Kollegen zu interagieren, und die Möglichkeit seine Fähigkeiten zu verbessern oder einfach nur etwas neues zu lernen
  4. Keep the Pink Slips in the Drawer
    – die Crowd sollte auch an den Auswahlprozessen der Gewinner beteiligt werden
  5. The Dumbness of Crowds, or the Benevolent Dictator Principle
    – die Menschen mögen es, wenn sie sich selbst organisieren müssen, wenn es dabei um ihre Interessen und Fähigkeiten geht, aber sie benötigen eine Richtung und Führung und jemand der ihre Fragen beantwortet
    – „Communities need community leaders“
  6. Keep it Simple and Break it Down
    – in die kleinstmöglichen Komponenten unterteilen
    – die Zerlegung ist nötig, da die Crowd nicht blöd, sondern beschäftigt ist
  7. Remember Sturgeon’s Law
    – wegen der möglichen Anzahl der Zuschauer, kann die Antwort auf einen Aufruf überwältigend sein
    – Sturgeon‘ s Law besagt, dass 90% von allem Mist ist
  8. Remeber the 10 Percent, the Antidote to Sturgeon’s Law
    – beim Crowdsourcing muss man bedenken, dass hier ein Ort geschaffen wird, für Freizeitaktivitäten, für die die Menschen (meistens) keine Begabung haben
  9. The Community’s Always Right
    – „You can try to guide the community, but ultimately you’ll wind up following them.“
  10. Ask Not what the Crowd Can Do for You, but What You Can Do for the Crowd
    – Crowdsourcing funktioniert am besten, wenn man als Einzelperson oder Unternehmen der Crowd gibt, was sie haben will

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iStockphoto

Diese Plattform wurde in dem Buch von Howe oft beispielhaft herangezogen, da sie als eine der ersten dieser Art gilt.
Gegründet wurde sie im Jahre 2000 von Bruce Livingstone, der sie anfänglich nutzte, um Fotografien mit befreundeten Fotografen zu tauschen. Doch schon nach kurzer Zeit entstand damit eine Community für größtenteils Hobby-Fotografen. 2009 befanden sich bereits ca. 50.000 Nutzer auf dieser Seite.
Das Unternehmen hat damals den Vorteil genutzt, dass ein Ungleichgewicht in der digitalen Wirtschaft entstanden ist: überzeugende, hochauflösende Bilder waren allgegenwärtig, und dennoch behandelten professionelle Bildagenturen sie wie eine knappe Ressource – „iStock crowdsourced their product, undercut their competitors, and made a killing in the process.“

Der Sinn hinter dieser Website ist ganz einfach, man macht ein gutes Bild, kann dieses dort hochladen und bekommt Geld, wenn andere User dieses Foto herunterladen. Nachdem die User ein Bild gedownloaded haben, können sie es für private wie geschäftliche Zwecke nutzen. Kaufen kann man dort ein Foto über „Credits“, die man sich vorher kaufen muss oder eben erhält, wenn man selbst ein Bild hochgeladen hat, welches von anderen Usern gekauft wurde.
Der niedrigste Preis liegt dabei in den USA bei 1 Dime (10 Cent) und laut der Facebookseite von iStock (2013) in Deutschland bei 1€. Ein Teil des Geldes geht dann an den Fotografen und der andere Teil an das Unternehmen iStockphoto.
Doch der Grundgedanke bei iStock ist nicht, ihre Nutzer reich zu machen, sondern sie wollen eine Plattform schaffen, auf der man Freunde findet und ein besserer Fotograf werden kann.
Zusätzlich zum Up-/Download von Bildern kann jeder User die Werke der anderen Nutzer bewerten. Somit entsteht eine Liste der besten Bilder und die Anzahl der Downloads zeigt auch den geschäftlichen Erfolg der Bilder an.
iStock ist damit nicht nur in der Lage die Konkurrenz um 99 % zu unterbieten. Sie pflegen außerdem eine große, aktive und enthusiastische Community von Künstlern, die selbst-erneuernd/erhaltend ist und sich kontinuierlich verbessert, und iStock mit besseren und besseren Produkten beliefern, die keinerlei Kosten für das Unternehmen verursachen.
Die User der Plattform nennen sich selbst iStockers.
Neben Bildern kann man derzeit auch schon Videos und Audiodateien einstellen oder auch bis zu 40 Stunden die Woche für iStock arbeiten und dabei kontrollieren, ob Qualitätsstandards eingehalten und keine Urheberrechte verletzt wurden.
Garth Johnson von iStockphoto zeigt in dem Buch von Howe ganz deutlich auf, wie machtvoll die Crowd ist: “We don’t own anything, the community does” – “Everything we do affects the people, whether they’re just earning enough to pay their equipment, or they’re making mortgage payments from their photo sales. They all want  a voice, and we have to give it to them, because really, the community is the company.” (vgl. Howe 2009, S.188)
Über soziale Netzwerke,wie Twitter und Facebook macht iStock auf gelungene Bilder oder neue gratis Datein und ähnliches aufmerksam. Somit nutzen sie neben ihrer eigenen Community auch andere Plattformen, um ihre Nutzer auf dem Laufenden zu halten und sie zurück auf ihre Seite zu locken.
iStockphoto und auch die Plattform Threadshirt werden von Howe als Teil des ersten Welle einer geschäftlichen und kulturellen Revolution bezeichnet, welche veränderte, wie wir über das Internet, Handel und am wichtigsten uns selbst denken.

Und damit ihr mal ein Eindruck bekommt hier mal ein Screenshot* von der Seite iStockphoto.com, wenn man als Suchbegriff ‚Christmas‘ und ‚Santa Claus‘ eingibt.

screenshot iStock

(Quelle: istockphoto 2013, Stock Search Results. http://www.istockphoto.com/search/text/christmas/filetype/photos/source/basic#1920e20a, abgerufen am 01.12.2013)

Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit.
Bis zum nächsten Mal. 🙂

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Quelle:

Howe, Jeff (2009). Crowdsourcing – why the power of the crowd is driving the future of business. New York: Three Rivers Press

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*Screenshot – Dass ich diese mit einbauen kann, um meinen Beitrag anschaulicher zu gestalten, habe ich in den vergangenen Tagen auf dem Blog von Christian Schmidt gelernt, welcher sich auf die Seite der Rechtsanwaltskanzlei Schwenke bezieht.

Crowdsourcing – eine generelle Übersicht

Hallo und herzlich Willkommen zurück,

Meine Learning Community und ich, wir waren in den letzten Tagen ein wenig fleißig und kreativ, sodass ein interessantes kleines Video entstanden ist. Dieses soll helfen, einen ersten Gesamteindruck von der Thematik „Crowdsourcing“ zu erhalten.
Uns hat es wirklich geholfen dieses Thema einmal grundlegend zu betrachten, zu schauen, woher der Begriff eigentlich kommt und uns die einzelnen Untergruppen einmal anzuschauen. Dies macht nun die Abgrenzung der einzelnen Themengebiete etwas einfacher.
Ich persönlich habe außerdem gelernt, dass es bereits ganz viele verschiedene Projekte und Plattformen gibt, die sich ihre Ideen und Anregungen aus der großen Masse holen. Ich habe gar nicht erwartet, dass der Crowdsourcing-Markt bereits so groß und abwechslungsreich ist.
So, nun aber viel Spaß beim ersten Eindruck gewinnen . . . 😉